Ausschnitte aus den Interviews

Im Rahmen des Projekts wurden nahezu vierzig Interviews mit verschiedenen Migrantengruppen zur Veränderung der Raumwahrnehmung nach dem Mauerfall geführt. Einen kleinen Ausschnitt können Sie nachfolgend lesen und hören.
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MURAT Ö., SOZIALARBEITER (34): Ich stand immer auf dem Aussichtsturm und sah links und rechts die saubere Straße und vielleicht war es nur eine kindliche Fantasie, aber ich stellte mir immer vor, dass diese Straßenhälften irgendwann wieder zusammengefügt würden.


VOLKAN U., FUßBALLTRAINER (36): Wir haben in Berlin damit gelebt, die Mauer war da. Man ist mit dem Auto bis irgendwohin gefahren und konnte dann nicht weiter.

CHU K., BLUMENVERKÄUFER (48): Damals arbeitete ich in einem Betrieb in Stralau. Ich bin immer die Karl-Kunger Straße entlang gelaufen. Die Mauer war auch dort. Da sah ich sie jedes Mal. Da standen Wohnhäuser. Es passierte den Bewohnern nichts.

TURGAY D., AUTOMECHANIKER (39): Die Mauer? Wir konnten nicht rüberschauen. Wir sind ja schon mal spazieren gewesen und da gab es ja diese Aussichtspunkte mit Fernrohren, aber es war immer so dunkel und kam uns irgendwie kalt vor.

CHU K., BLUMENVERKÄUFER (48): Ich war neugierig auf die Welt auf der anderen Seite. Denn ich hatte damals keine Vorstellung davon. Leider habe nichts mitbekommen. Allein das Rüber-Schauen war schon schwierig. Die Mauer versperrte uns den Blick. Wir haben nachher viel über Grausamkeiten an der Mauer in den Medien gehört.

MARTIN Z., PRESSESPRECHER (34): Nun, ich sehe die Mauer noch bildlich vor mir. Ich sehe sie noch vor mir und... ich war zehn Jahre alt, neun Jahre alt. Und diese Erfahrung, dass man sich auf so eine Plattform begibt und da drüben stehen Leute mit Waffen, mit Waffen! Wirklich mit Waffen! Und du kannst ihnen zuwinken und so machen und die können dir nix machen, nix können sie dir tun, das fand ich als kleiner Junge, ist ne wunderbare Erfahrung. Und das Bild von der Mauer, die von der Westseite völlig beschmiert ist, völlig bemalt ist, und man geht auf die Ostseite und da ist alles streng, weiß, gesichert, gefährlich!

TURGAY D., AUTOMECHANIKER (39): Wir wollten uns damals nach Mädels umschauen. Einmal waren wir zu Mauerzeiten noch mit der Schule dort und einmal mit meinem eigenen Wagen im Ostteil, aber die haben das ganze Auto von oben bis unten untersucht und da dachte ich mir, nie wieder.

ZYGMUNT N., JOURNALIST (50): Auf der Höhe des Brandenburger Tor war so eine Plattform und von der Seite war der Stacheldraht, da standen die Panzer, die Russen, Hunde und so weiter. Auf der anderen Seite gab es niemanden. Aber irgendwie, ich war damals  verheiratet, hatte zwei kleine Kinder und wollte nicht im Westen bleiben. Irgendwie zog es mich nicht hierher. Fehler! Ich hätte bleiben sollen, aber nun ja.

AGNIESZKA Z., GESCHÄFTSFÜHRERIN (46): Also, der Weg nach Osten war nicht sehr lang, Also, ich konnte vom Savignyplatz, bis zum, bis Potsdamer Platz laufen und da stieß man auf die Mauer. Die Straße des 17. Juni endete im Nichts, das heißt, es endete mit der Mauer.

HONG-TU, D., BISTROTBESITZER (44): Ich kam nur manchmal nach Berlin und wenn ich die Mauer sah, hatten wir immer die Sicherheitszone noch vor uns und wir wussten dahinter ist der Westen, aber wir sahen in ihr nur eine Mauer, eine echte Grenze.

JOANA B., GALERISTIN (43): Und wenn man von Polen über den Transit von Ostberlin nach Westberlin rein gefahren ist, dann sind einem all diese Erinnerungen hochgekommen. Und wenn das bereits im eigenen Land, das man kannte, unangenehm war, dann war so ein Sich-Legitimieren-Müssen in einem fremden Land noch entsetzlicher, dass sie einen für das Übertreten einer Roten Ampel oder so inhaftieren könnten.

ZOHRE B. (40): Du musstest 25 Mark wechseln und es gab keine Möglichkeit die auszugeben. Unmöglich! Wenn du in ein Café gegangen bist, musstest du am Eingang warten bis du vom Oberkellner aufgefordert wurdest, dich zu setzen. Egal wie leer die Läden waren. Alles war so billig. Du wusstest nicht, was du mit deinem Geld anfangen solltest.


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